Pirat

Als Pirat im April 2014 zu uns kam, bedeutete dies für ihn das Ende eines langjährigen Aufenthaltes in einer russischen Tierstation.


Für uns bedeutete es die Erfüllung eines langjährigen Wunsches, diesen Hund zu uns holen zu können.
Wer uns und unsere Tierherberge kennt, weiß, dass wir lange Jahre keine Rüden in unsere Hundegruppen übernehmen konnten. Seit April 2014 hat sich diese Situation geändert und zumindest ein oder zwei männliche Vierbeiner können nun hier Aufnahme finden.


Wir sahen Pirat im Juni 2009 das erste Mal in diesem Moskauer Tierheim, wo er zu diesem Zeitpunkt bereits 4 oder 5 Jahre lebte. Entsprechend war er damals mindestens 4 Jahre alt. Er hatte sich in sein Schicksal ergeben, wie so viele seiner Artgenossen, die als erwachsene Hunde kaum mehr eine Chance haben, diese Station jemals wieder lebend zu verlassen. Umgeben von hohen Steinmauern, auf betoniertem Gelände und in engen Zwingern mit Holzböden, die man sich mit anderen Artgenossen teilen muss, fristen dort mehrere Hundert Hunde ihr Dasein. Für Verpflegung ist gesorgt, auch ein Tierarzt steht zur Verfügung, und kein Tier wird wegen Ablauf irgendwelcher Fristen getötet. Das alles ist der Leiterin dieses Heimes zu verdanken, die sich nach Kräften bemüht, den Insassen das Leben so erträglich wie möglich zu machen. Trotzdem ist es eine Massenhaltung ohne ausreichend Bewegungsmöglichkeit, ohne Bezugspersonen, ohne jede Zuwendung, im Winter zu kalt, im Sommer zu heiß - ein Verstreichen lassen von Tagen, Wochen, Monaten, Jahren.


Als abzusehen war, dass unsere Situation sich hier ändern würde und auch wieder Rüden bei uns Einzug halten würden, erkundigten wir uns nach Pirat, der uns vor beinahe 5 Jahren aufgefallen war, weil er nach der Säuberung seines Zwingers nicht wieder freiwillig in diesen zurückkehren wollte. Dass ein Hund eine so lange Zeit in dieser Hoffnungslosigkeit, in dieser trotz räumlicher Überfüllung, seelischen Leere überlebt, ist nicht selbstverständlich.


Pirat hat überlebt und ist nun bei uns.


Wer die Wandlung dieses Hundes miterlebt, braucht sich seiner Tränen nicht zu schämen. Die Leere seines Blickes ist einer Neugier und Aufmerksamkeit gewichen, mehrmals täglich in die Ausläufe zu gehen, dort das Spiel mit Artgenossen zu erlernen, Erde und Gras unter den Pfoten zu verspüren, das Glücksgefühl ein Loch in die Erde gebuddelt zu haben, den harten Holzboden des Zwingers gegen eine Couch getauscht zu haben, und vor allem Ansprache zu bekommen und mit seinem Namen gerufen zu werden, dies sind einige der neuen Dinge, die nun das Leben von Pirat ausmachen und ihn schon jetzt, nach den wenigen Wochen, in denen er bei uns ist, zu einem anderen Hund gemacht haben.


Pirat ist geschätzt 10 Jahre alt, sein Gesundheitszustand ist seinem Alter entsprechend, seinen Bewegungen merkt man die langen Jahre unter schweren klimatischen Bedingungen und schlechter Unterbringung an. Pirat hat bei uns ein völlig neues Leben vorgefunden an das er sich schrittweise gewöhnt und in welchem er sich wohlfühlt. Die Vermittlungschancen eines älteren Hundes sind gering, auch sind wir nicht sicher, ob Pirat sich in ein Leben als Familien- und Begleithund einfügen und sich als solcher wohlfühlen würde. Vorstellbar wäre aus unserer Sicht ein Zuhause mit Garten, in dem er in der Sonne liegen und die Gegend beobachten könnte, im Haus ein kuscheliges Plätzchen hat und seine Streicheleinheiten erhält.


Vielleicht findet sich jemand für Pirat, vielleicht auch nicht. In jedem Fall hat dieser liebe alte Mann sein Zuhause bei uns und wir werden alles tun, um seine letzten Jahre zu seinen schönsten zu machen.


Wenn Sie uns mit einer Spende für Pirat unterstützen möchten, freuen wir uns und sagen dafür ein herzliches Dankeschön.

Zu Anfang des Jahres 2008 baten uns Moskauer Tierschützer um die Aufnahme einer jungen Hündin, die in ihrer Pflegestelle nicht bleiben konnte, da sich herausgestellt hatte, dass es sich bei den „Pflegern“ um Alkoholiker handelte, die sich mit der Aufnahme von Hunden Geld für ihren täglichen Bedarf verdienten. Einen anderen adäquaten Pflege- oder gar Endplatz zu finden war schon zu dieser Zeit in Moskau so, wie hierzulande ein Lotteriegewinn. So kam Dora im Frühjahr 2008 zu uns. Schnell zeigte sich, dass Dora zwar verträglich mit all ihren Artgenossen ist, aber zu Menschen keinerlei Beziehung hat. Bei der kleinsten Berührung versuchte sie zu beißen und versuchte, uns Zweibeinern aus dem Weg zu gehen, wo sie nur konnte. Wir vermuten, dass sich Dora schon in ihrer Moskauer Pflegestelle nicht anfassen ließ und mit Gewalt oder sediert transportfertig gemacht wurde. Im Laufe der Jahre, die Dora bei uns ist, ist sie wesentlich zugänglicher geworden: sie versteckt sich nicht mehr, wenn Besucher kommen, sie geht uns nicht aus dem Weg, sondern ist in der Lage, ruhig an uns vorbeizugehen, sie nimmt Futter oder Leckerchen aus der Hand. Was allerdings, trotz mehrerer Versuche diverser Tiertrainer geblieben ist, ist die Angst vor körperlichen Berührungen. Dora lebt ihr eigenes Leben inmitten unserer Hundegruppe und scheint sich dabei nicht unwohl zu fühlen. Problematisch wurde es, als Dora Anfang 2013 dringend einer Zahnbehandlung bedurfte. Sie hatte eine bakteriell bedingte Erkrankung des Zahnfleisches, der leider einige Zähne weichen mussten. Die mittels Blasrohr durchgeführte Narkose sowie die Operation hat Dora gut überstanden. Leider können wir aufgrund Dora’s Wesens die eigentlich erforderliche und effektivste lokale Behandlung nicht erbringen. Trotzdem heilten die Wunden gut und Dora hatte mehrere Monate keinerlei Probleme. Im Spätsommer 2013 wurde jedoch eine erneute Behandlung erforderlich. Wieder wurde Dora auf die geschilderte Art betäubt und zum Tierarzt gebracht. Wieder mussten einige Zähne entfernt werden, dabei zeigte sich aber auch, dass die zuvor behandelten Stellen des Kiefers gut geheilt und nicht erneut von Bakterien befallen waren. Auch diese zweite OP hat Dora gut überstanden. Nun hat Dora noch ca. 6 Backenzähne und ihre Reißzähne (genug um uns ggfls. erheblich zu verletzen), die jedoch noch so stabil und gefestigt sind, dass wir ihr in Übereinstimmung mit unserem Tierarzt diese Zähne gerne lassen möchten. Schon seit der ersten Operation muss Dora auf festes Futter und harte Leckerchen verzichten. Sie bekommt Flocken, Dosenfutter und ein sehr weiches Trockenfutter, dessen Marke wir hier natürlich nicht nennen dürfen, welches aber preislich sehr hoch angesiedelt ist. Dora wird hier, in ihrer vertrauten Umgebung, bei den ihr vertrauten Menschen bleiben und hoffentlich bei uns sehr alt werden. Über eine Patenschaft für Dora, eine kleine monatliche Unterstützung, würden wir uns sehr freuen.

Aktualisierung: Am 26. Juni 2015 mussten leider auch Dora’s letzte 5 Zähne weichen, nachdem ihr bereits im August 2014 bei einer erneut erforderlich gewordenen Zahnsanierung alle Zähne, bis auf diese letzten 5 herausoperiert werden mussten. Auch nach dieser im August 2014 erfolgten OP zeigte sich, dass die Stellen, an denen die Zähne entfernt worden waren, wunderbar heilten und Dora dort keine Entzündungen oder Beschwerden mehr hatte.

Nun hoffen wir, dass nach dieser letzten Zahn-OP Dora endlich Ruhe hat und ihr Mäulchen schon bald wieder in der Lage sein wird, auch etwas festere Nahrung zu verarbeiten. Momentan bekommt Dora nur zerkleinertes und mit etwas Wasser vermischtes Nassfutter, aber ihr Appetit auf etwas „Handfestes“ zeigt sich schon heute.

Wir danken allen Spendern, die bisher dazu beigetragen haben, das etwas kostspieligere Futter für Dora kaufen zu können und bitten Sie herzlich, Dora auch weiterhin die Treue zu halten, denn bald wird Dora auch ohne Zähne wieder ihr geliebtes weiches Trockenfutter essen wollen.

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